"Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin,

und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge."

 (Kurt Marti)

 

 


 

50 Jahre

 

1971 – Willy Brandt ist Bundeskanzler, die Sendung mit der Maus wird erstmals ausgestrahlt, der Assuan Staudamm wird eingeweiht und im Vietnamkrieg wird der Einsatz von Agent Orange eingestellt. Jim Morrison und Louis Armstrong sind gestorben. „My sweet Lord“ von George Harrison und „Hey Tonight“ von CCR sind Nummer eins Hits und Tony Marshall besingt eine „Schöne Maid“.

 

Im Juli diesen Jahres endet meine Schulzeit und der Ernst des Lebens soll beginnen. Mit dem Start einer Berufsausbildung findet meine Vorstellung vom Berufsleben ihren Anfang. In der Welt eines siebzehnjährigen scheint alles gut durchdacht. Der Plan für meine Zukunft steht, erscheint folgerichtig und lässt mich erwachsen fühlen. Aus heutiger Sicht eine trügerische Wahrnehmung, denn, so glaube ich heute, ist erwachsen zu werden ein stetiger und ungleicher Prozeß. Manchmal wird mir sehr bewußt gemacht, dass ich mich bereits im Rentenalter befinde und dann gibt es Augenblicke, in denen ich mich so aufgeregt und unreif wie ein siebzehnjähriger fühle. Die Arbeitswelt stellt ungewohnte Herausforderungen an mich, verändert Perspektiven und eröffnet neue Horizonte. Ich genieße neue Freiheiten und werde unabhängiger vom elterlichen Zuhause. Gleichzeitig gilt es, neuen Regeln zu folgen und eigene Standpunkte zu finden. Mein Weg zum Erwachsenen ist nicht immer nach dem ursprünglichen Plan verlaufen. Im Rückblick war aber gerade die erste Zeit nach der Schulentlassung eine aufregende Zeit mit prägenden Erinnerungen,  auch wenn mir die ein oder andere Peinlichkeit noch heute rote Ohren verursacht.

 

Fünfzig Jahre seit dem Schulende scheinen mir ein geeigneter Anlass zu sein, zu einem Klassentreffen einzuladen. Erinnerungen austauschen und hören, wie der Lebensweg der Anderen verlaufen ist und wie ihr Plan für die Zeit nach dem Ende des Berufslebens aussieht. Die alte Adressenliste ist inzwischen nicht mehr aktuell und lückenhaft. Aber dennoch, mal sehen, wer noch erreichbar ist. Die Einladung ist versendet und ich bin gespannt, wer Lust und Neugier auf ein Wiedersehen hat.

April 2021


 

Bemusterung, Anprobe, Inaugenscheinnahme

 

Anprobe = ein individuell bestelltes Kleidungsstück anprobieren - erlaubt

spontan ein weiteres Kleidungsstück anprobieren - verboten

Bemusterung = Begutachtung von Türen, Fenstern, Sanitärartikeln, etc. - erlaubt

Inaugenscheinnahme = sonstige Möbel wie z. B. Tische, Stühle, Sofas, etc. -verboten

Corona-Verordnung Nds vom 08.03.21

 

Wer soll das denn noch verstehen?

 

Das ist lebensferne Haarspalterei, die entsteht, wenn es jemandem gelingt, eine gut gemeinte Regelung mit einer Durchführungs-anweisung bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln.

Wer noch nicht coronamüde und genervt ist, wer immer noch versucht, hinter sich widersprechenden und im Wochenrhythmus wechselnden Regeln den roten Faden zu erkennen, wird auf eine harte Probe gestellt. Es gibt in dieser Situation keine absolut richtige Lösung. Fehler und Umwege sind unvermeidbar. Wer aber erst handelt, wenn er glaubt, alles zu hundert Prozent regeln zu können, kommt nicht ans Ziel, kommt nicht vom Wollen zum notwendigen Tun. Und er verliert unterwegs die Menschen, für die er zu handeln glaubt.

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien und kann Schlußfolgerungen von Querdenkern nicht nachvollziehen.

Aber ich halte viele der Regeln, wie z. B. Abstand halten, Mund - Nasen Schutz tragen für angemessen und hilfreich. Und ich bin mir sicher, dass geschlossene Kitas, Schulen und kulturelle Einrichtungen, der Verlust von Kontakten uns nicht im Positiven verändern.

Diese Pandemie offenbart schonungslos die strukturellen Schwächen und Fehlentwicklungen unseres Zusammenlebens. Ein zurück zum Vorher oder gar ein weiter so darf es daher nicht geben. Ich wünsche mir dringend eine Abkehr von Regelungswut, Ankündigungs-orgien, Bereicherungen und Tunnelblicken.

Dann könnte ich vielleicht die Einschränkungen noch ein wenig länger ertragen.

 (März 2021)


 

Vorsätze?

 

 

Heilfasten! Schlank und fit ins neue Jahr! 10 gute Vorsätze, die 2021 jeder schaffen kann!

 

Die Angebote, sich gleich zu Beginn des neuen Jahres mit einer to do Liste zu belasten, lassen sich scheinbar endlos fortsetzen. Ich weiß nicht, wie hoch der Anteil der Gescheiterten und Frustrierten ist. Ich fürchte, er ist noch höher als ich vermute. Meine Aufzählung von Dingen, die ich mir vorgenommen habe zu erledigen und die noch ergänzt ist von Arbeiten, die mir aufgetragen sind, habe ich aus dem alten Jahr hinüber gerettet. Sie hängt deutlich sichtbar über meinem Schreibtisch und ich bin zuversichtlich, im neuen Jahr weitere Haken für „erledigt“ hinzufügen zu können. Ich weiß, dass jeder neue Haken mir gut tun wird. Heute bin ich erst mal ganz stolz auf mich, dass ich mir trotz des Wetters wieder die Laufschuhe angezogen habe, und eine Runde gelaufen bin! Wenn's so weiter geht, will ich zufrieden mit mir sein. Auch ein guter Vorsatz!

Januar 2021